Günstige Aktien: 5 Value-Kandidaten für Ihre Watchlist

Fünf liquide Aktien für die Watchlist, geprüft anhand aktueller Unternehmenszahlen, konkreter Risiken und des Zugangs für Anleger in Deutschland.

Welche günstigen Aktien gehören auf die Watchlist?

Wer günstige Aktien sucht, sollte nicht einfach Wertpapiere mit einem niedrigen Stückpreis wählen. Entscheidend ist, ob der Börsenwert im Verhältnis zu Ertragskraft, Bilanz, Cashflow und Risiken plausibel erscheint. Für eine vertiefte Analyse kommen derzeit BASF, die Volkswagen-Vorzugsaktie, Deutsche Bank, BMW und Mercedes-Benz infrage. Alle fünf Unternehmen sind deutschen Anlegern vertraut und über Xetra handelbar, stehen aber zugleich vor konkreten operativen Belastungen.

Diese Auswahl ist deshalb eine Watchlist, keine Rangliste und keine Kaufempfehlung. Wer die Grundlagen zuerst auffrischen möchte, findet sie in unserem Leitfaden zum Aktien kaufen. Für die Einordnung des Anlagestils hilft außerdem der Überblick zu Value-Aktien.

So wurden die fünf Kandidaten ausgewählt

Die Auswahl folgt vier transparenten Kriterien: Erstens muss das Unternehmen ein klar verständliches operatives Geschäft und aktuelle, offizielle Finanzdaten für 2026 vorlegen. Zweitens braucht es einen nachvollziehbaren Value-Anhaltspunkt, etwa eine gedrückte Bewertung, eine schwache Marge oder einen deutlichen Abschlag, der eine Neubewertung ermöglichen könnte. Drittens müssen die Risiken aus den Unternehmensberichten sichtbar benannt werden. Viertens muss die Aktie mit eindeutiger ISIN und Börsenkennung regulär in Deutschland handelbar sein.

Damit wird keine objektive Unterbewertung behauptet. Ein niedrigeres Kurs-Gewinn-Verhältnis oder ein Kursrückgang kann eine Chance anzeigen, aber ebenso auf dauerhaft schwächere Gewinne hindeuten. Die Kandidaten sollten daher mit aktuellen Kursen, Kennzahlen und Alternativen verglichen werden; dafür können Sie auch die Übersicht zu Aktienkursen heranziehen.

1. BASF: zyklischer Chemiekonzern mit Cashflow-Fragezeichen

Geschäft: BASF bündelt ein breites Engagement in Chemikalien, Materialien, Industrielösungen und Landwirtschaft. Damit hängt die Ertragskraft stark von Industriekonjunktur, Energiepreisen und der Nachfrage großer Abnehmerbranchen ab. Die Streuung innerhalb des Konzerns stabilisiert teilweise, verhindert aber keine ausgeprägte Zyklik.

Aktuelle Evidenz: Im ersten Halbjahr 2026 meldete BASF 33,226 Mrd. € Umsatz, 6,2 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg um 17,5 % auf 4,805 Mrd. €. Gleichzeitig war der freie Cashflow im zweiten Quartal mit rund −0,2 Mrd. € negativ. Die operative Verbesserung ist damit sichtbar, aber noch nicht durchgehend in frei verfügbarem Mittelzufluss angekommen.

Aktienrisiko: Laut Unternehmensangaben belasteten unter anderem der Aufbau von Rohstoffbeständen und die Schwäche im Segment Surface Technologies. Hinzu kommen geopolitische Risiken für Lieferketten, Energie und Absatzmärkte. Bei einem zyklischen Chemiekonzern kann eine scheinbar niedrige Bewertung außerdem lediglich vorübergehend hohe Gewinne widerspiegeln.

Zugang in Deutschland: Die Namensaktie hat die ISIN DE000BASF111 und das Kürzel BAS. Sie wird unter anderem über Xetra und Frankfurt gehandelt und ist bei vielen Banken und Online-Brokern verfügbar. Prüfen Sie vor einer Order Handelsplatzentgelt, Spread und Orderprovision im Broker Vergleich.

2. Volkswagen Vz.: niedrige Bewertung trifft auf China-Risiko

Geschäft: Volkswagen deckt Volumen- und Premiummarken, Nutzfahrzeuge, Finanzdienstleistungen sowie Software ab. Diese Breite bietet mehrere Ergebnisquellen, erhöht jedoch die Komplexität und den Kapitalbedarf des Konzerns. Für Privatanleger ist die liquidere Vorzugsaktie die naheliegende Beobachtungsgröße.

Aktuelle Evidenz: Im ersten Halbjahr 2026 erzielte der Konzern 158,1 Mrd. € Umsatz, ein operatives Ergebnis von 5,9 Mrd. € und eine operative Marge von 3,8 %. Der Netto-Cashflow im Automobilbereich belief sich auf 3,2 Mrd. €. Als offizieller Bewertungsanker weist der Geschäftsbericht 2025 für den Konzern ein Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Eigenkapital von 0,28 und für die Stammaktie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,9 aus. Diese historischen Werte sind ein Prüfhinweis, kein Beleg für heutigen inneren Wert.

Aktienrisiko: Die Fahrzeugverkäufe in China sanken im Halbjahr um 31,6 %, das operative Ergebnis um 11,6 %. Volkswagen nennt zudem Handelskonflikte, Wettbewerb, Energie- und Währungseinflüsse sowie Emissionsvorgaben als Risiken. Besonders die Transformation zu Elektrofahrzeugen und Software kann hohe Investitionen erfordern, bevor sich die Erträge verbessern.

Zugang in Deutschland: Gemeint ist ausschließlich die Vorzugsaktie mit ISIN DE0007664039 und Kürzel VOW3, handelbar über Xetra und Frankfurt. Achten Sie bei der Suche im Depot auf die ISIN, damit Sie sie nicht mit der Stammaktie verwechseln. Hinweise zur Wahl des Handelswegs bietet Wo Aktien kaufen.

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3. Deutsche Bank: höhere Erträge bei weiter relevantem Kreditrisiko

Geschäft: Die Deutsche Bank verbindet Unternehmens- und Privatkundengeschäft mit Investmentbanking sowie Vermögensverwaltung. Das schafft unterschiedliche Einnahmequellen, macht das Ergebnis aber abhängig von Kapitalmärkten, Zinsumfeld, Handelsaktivität und Kreditqualität.

Aktuelle Evidenz: Für das zweite Quartal 2026 meldete das Institut Nettoerträge von 8,5 Mrd. €, 9 % mehr als ein Jahr zuvor. Der Nachsteuergewinn stieg um 10 % auf 1,9 Mrd. €, die Eigenkapitalrendite nach Steuern auf das materielle Eigenkapital – RoTE – lag bei 11,0 %. Den positiven Zahlen standen Risikovorsorgen für Kreditausfälle von 460 Mio. € und um 8 % gestiegene Aufwendungen von 5,3 Mrd. € gegenüber.

Aktienrisiko: Schwankende Märkte können Handels- und Vermögensverwaltungserträge treffen. Zugleich können Ausfälle von Kreditnehmern oder Gegenparteien die Vorsorge erhöhen. Steigende Kosten würden einen Teil des Ertragswachstums aufzehren. Bei Bankaktien sollten Anleger deshalb neben dem Gewinn auch Kapitalausstattung, Kostenquote und Qualität des Kreditbuchs verfolgen.

Zugang in Deutschland: Die Aktie trägt die ISIN DE0005140008 und das Kürzel DBK. Sie ist über Xetra und Frankfurt handelbar. Kleine Orders können durch fixe Gebühren überproportional teuer werden; ein Neobroker Vergleich zeigt mögliche Kostenmodelle, ersetzt aber nicht die Prüfung von Handelsplatz und Ausführungspreis.

4. BMW: Premiummarke unter Margen- und China-Druck

Geschäft: BMW erzielt seine Erlöse mit Premiumautos, Motorrädern und Finanzdienstleistungen. Die starke Marke und der Produktmix sind wichtige Ertragstreiber; zugleich ist der Konzern konjunkturabhängig und muss hohe Summen in neue Modelle, Software und elektrische Antriebe investieren.

Aktuelle Evidenz: Im ersten Halbjahr 2026 lag der Umsatz bei 62,266 Mrd. €, die EBIT-Marge im Automobilsegment bei 3,6 %. Im zweiten Quartal lieferte BMW 116.807 vollelektrische Fahrzeuge aus, 5,2 % mehr als im Vorjahresquartal. Der Elektroabsatz wächst damit, während die Gesamtrentabilität unter Druck steht.

Aktienrisiko: Die Auslieferungen in China gingen im Halbjahr um 20,4 % zurück, das Ergebnis vor Steuern sank um 29,4 % und der freie Cashflow im Automobilsegment um 45 %. BMW nennt außerdem Währungs- und Rohstoffeffekte sowie höhere Abschreibungen als Belastungen. Ein schwächerer Premiumautomarkt oder Preisdruck in China könnte die Erholung verzögern.

Zugang in Deutschland: Beobachtet wird die BMW-Stammaktie mit ISIN DE0005190003 und Kürzel BMW, handelbar über Xetra, Frankfurt und München. Die frühere Vorzugsaktie BMW3 ist kein Ausweichprodukt: Ihr Handel endete am 30. Juni 2026. Vergleichen Sie vor einer Einzelaktienposition auch die breitere Risikostreuung bei Aktien oder ETF.

5. Mercedes-Benz: Premiumpositionierung mit schwächerem China-Geschäft

Geschäft: Mercedes-Benz verbindet Premium-Pkw, Vans und Finanzdienstleistungen. Das Unternehmen setzt auf höherpreisige Fahrzeuge und einen wertorientierten Modellmix. Diese Positionierung kann Margen stützen, reagiert jedoch empfindlich auf Kaufzurückhaltung, Wettbewerb und Modellwechsel.

Aktuelle Evidenz: Im zweiten Quartal 2026 erzielte der Konzern 32,1 Mrd. € Umsatz und ein berichtetes EBIT von 1,5 Mrd. €; bereinigt waren es 2,3 Mrd. €. Der freie Cashflow des Industriegeschäfts lag bei 1,1 Mrd. €. Im Pkw-Segment betrug das bereinigte EBIT 909 Mio. € nach 1,228 Mrd. € im Vergleichszeitraum – ein Hinweis darauf, dass die Ertragslage trotz positivem Cashflow angespannt bleibt.

Aktienrisiko: Die Verkäufe in China fielen um 30 %. Zusätzlich nennt das Unternehmen Wettbewerb, Produktmix, Modellwechsel und Anlaufkosten als Belastungen. Eine Wertminderung von 704 Mio. € auf eine China-Beteiligung zeigt, dass die regionalen Probleme bereits bilanziell wirken. Anhaltender Preisdruck könnte die Premiumstrategie und Margen weiter schwächen.

Zugang in Deutschland: Die Aktie hat die ISIN DE0007100000 und das Kürzel MBG. Sie wird auf Xetra und in Frankfurt gehandelt. Ausschüttungen können für die Gesamtrendite wichtig sein, sind aber nie garantiert; ordnen Sie sie mit dem Leitfaden zu Dividenden-Aktien ein.

Die fünf Aktien im direkten Vergleich

Die Tabelle verdichtet die offiziellen Kennzahlen, ohne die Geschäftsmodelle gleichzusetzen. Berichtszeiträume und Kennzahlentypen unterscheiden sich; deshalb eignet sie sich als Ausgangspunkt für die Analyse, nicht als mechanische Rangliste.

AktieAktuelle offizielle KennzahlZentrales RisikoISIN / Kürzel
BASFH1 2026: EBITDA vor Sondereinflüssen 4,805 Mrd. €Zyklik und negativer Q2-CashflowDE000BASF111 / BAS
Volkswagen Vz.H1 2026: operative Marge 3,8 %China, Wettbewerb und TransformationDE0007664039 / VOW3
Deutsche BankQ2 2026: RoTE 11,0 %Kredit-, Markt- und KostenrisikoDE0005140008 / DBK
BMW StammH1 2026: Auto-EBIT-Marge 3,6 %China-Nachfrage und MargendruckDE0005190003 / BMW
Mercedes-BenzQ2 2026: industrieller FCF 1,1 Mrd. €China, Modellmix und AnlaufkostenDE0007100000 / MBG

Woran Sie unterbewertete Aktien erkennen können

Beginnen Sie nicht beim Kurs pro Aktie, sondern beim Gesamtwert des Unternehmens. Vergleichen Sie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Verhältnis von Börsenwert zu Buchwert, Verschuldung, Margen und freien Cashflow mit der eigenen Historie und passenden Wettbewerbern. Prüfen Sie anschließend, ob ein niedriger Multiplikator durch ein vorübergehendes Problem oder durch strukturell sinkende Erträge erklärt wird.

Lesen Sie den jüngsten Quartals- oder Halbjahresbericht und suchen Sie nach Abweichungen zwischen bereinigtem und berichtetem Ergebnis. Ein Gewinn ohne entsprechenden Cashflow verdient besondere Aufmerksamkeit. Formulieren Sie vor dem Kauf eine überprüfbare These: Welche operative Entwicklung müsste eintreten, bis wann und woran würden Sie erkennen, dass die These falsch ist?

Penny Stocks sind trotz ihres niedrigen Stückpreises nicht automatisch günstig. Häufig sind sie weniger liquide, schwankungsanfälliger und informationsärmer. Die fünf hier genannten Konzerne sind keine Penny Stocks; auch bei ihnen schützt Bekanntheit jedoch nicht vor Kursverlusten.

Kauf, Steuern und Währung aus deutscher Sicht

Alle fünf Aktien können über eine Bank oder einen Online-Broker an deutschen Börsen gehandelt werden. Xetra ist der Referenzmarkt für den börslichen Aktienhandel der Deutschen Börse. Nutzen Sie bei der Order die ISIN, prüfen Sie den Spread und bevorzugen Sie für liquide Titel in der Regel die Haupthandelszeit. Eine Limitorder begrenzt den maximalen Kaufpreis, garantiert aber keine Ausführung.

Kapitalerträge unterliegen in Deutschland grundsätzlich dem Steuersatz von 25 % nach § 32d EStG, bevor Solidaritätszuschlag, gegebenenfalls Kirchensteuer und gesetzliche Ausnahmen berücksichtigt werden. Der Sparer-Pauschbetrag nach § 20 Abs. 9 EStG beträgt 1.000 € pro Person beziehungsweise 2.000 € bei Zusammenveranlagung. Ein Freistellungsauftrag kann den automatischen Steuerabzug bis zum verfügbaren Betrag vermeiden. Bei individuellen Steuerfragen ist fachlicher Rat sinnvoll.

Da die ausgewählten Aktien in Euro notieren, entsteht beim Kauf auf Xetra kein unmittelbarer Umtausch wie bei einer Fremdwährungsorder. Wirtschaftliche Währungsrisiken bleiben dennoch bestehen: Die Konzerne erzielen erhebliche Umsätze und Kosten außerhalb des Euroraums. Wechselkurse können daher Gewinn und Bewertung beeinflussen.

Risiken und häufige Fehler bei vermeintlich günstigen Aktien

Der häufigste Fehler ist die Verwechslung von „gefallen“ und „unterbewertet“. Ein Kurs kann sinken, weil der Markt eine dauerhafte Margenerosion, hohe Investitionen oder schwächere Nachfrage erwartet. Eine sogenannte Value-Falle entsteht, wenn die Gewinne schneller zurückgehen als der Kurs und die Aktie nur auf Basis alter Zahlen billig wirkt.

Vermeiden Sie außerdem eine ungewollte Konzentration. Vier der fünf Kandidaten hängen deutlich an Industrie- oder Autokonjunktur; der fünfte am Finanz- und Kreditzyklus. Mehrere Einzeltitel sind deshalb nicht automatisch breit gestreut. Legen Sie eine Positionsgröße fest, die auch bei einem deutlichen Kursverlust tragbar bleibt, und investieren Sie kein Geld, das kurzfristig für hohe Lebenshaltungskosten oder andere Verpflichtungen gebraucht wird.

Wertpapiere im Depot bleiben bei einer Bankinsolvenz grundsätzlich Eigentum des Anlegers oder werden in einer vergleichbaren Rechtsposition für ihn gehalten; BaFin beschreibt dafür ein Aussonderungsrecht. Das schützt jedoch nicht vor Marktverlusten, Fehlentscheidungen oder einer Insolvenz des Aktienunternehmens selbst.

Häufige Fragen zu günstigen Aktien

Was sind günstige Aktien?

Günstige Aktien sind Wertpapiere, deren Börsenbewertung im Verhältnis zu nachhaltigem Gewinn, Cashflow, Vermögen und Risiken niedrig erscheint. Ein niedriger Stückpreis allein sagt nichts über die Bewertung des gesamten Unternehmens aus.

Sind die fünf genannten Aktien sicher unterbewertet?

Nein, eine sichere Unterbewertung lässt sich nicht feststellen. BASF, Volkswagen Vz., Deutsche Bank, BMW und Mercedes-Benz sind Kandidaten für eine eigene Analyse, weil aktuelle Kennzahlen und erkennbare Belastungen eine Value-Prüfung interessant machen.

Sind Penny Stocks besonders günstig?

Nein, Penny Stocks haben lediglich einen sehr niedrigen Kurs pro Anteil. Sie können trotzdem teuer bewertet, wenig liquide und besonders riskant sein; entscheidend sind Unternehmenswert, Bilanz, Ertragskraft und Handelbarkeit.

Wo kann ich die genannten Aktien kaufen?

Sie können die fünf genannten Aktien über viele deutsche Banken und Online-Broker kaufen. Nutzen Sie die jeweilige ISIN und wählen Sie beispielsweise Xetra oder Frankfurt; prüfen Sie vorab Kosten, Spread und Orderlimit.

Wie werden Aktiengewinne in Deutschland besteuert?

Aktiengewinne und Dividenden unterliegen grundsätzlich 25 % Kapitalertragsteuer nach § 32d EStG, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer; Ausnahmen sind möglich. Der Sparer-Pauschbetrag beträgt 1.000 € pro Person beziehungsweise 2.000 € bei Zusammenveranlagung.

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