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Kredit trotz Privatinsolvenz: Optionen, Risiken & wichtige Fakten

Erfahren Sie, ob ein Kredit trotz Privatinsolvenz möglich ist, welche Alternativen es gibt und worauf Sie unbedingt achten sollten.

Verfasst von Sven Wilke

- 18. März 2026

Wir folgen unserer
Geprüft von Ivan Bevanda

4 Min. Lesezeit | Kredite

Kredit trotz Privatinsolvenz: Das Wichtigste im Überblick

  • Ein Kredit trotz Insolvenz ist möglich, obwohl die Chancen auf eine positive Kreditzusage gering sind.

  • Die Insolvenz wird nach der Restschuldbefreiung nur noch sechs Monate in der SCHUFA gespeichert.

  • Bevor Sie während der Insolvenzphase einen Kredit aufnehmen, sollten Sie Ihren Insolvenzverwalter konsultieren.

  • Neue Schulden während der Insolvenz fallen nicht unter die Restschuldbefreiung und müssen vollständig zurückgezahlt werden.

Kredit trotz Privatinsolvenz: Möglich oder nicht?

Wenn Sie einen Schuldenberg angehäuft haben, der nicht mehr zu bewältigen ist, bleibt die Privatinsolvenz oft die letzte Möglichkeit zur Schuldenfreiheit.

Das Insolvenzverfahren dauert drei Jahre. Während der sogenannten Wohlverhaltensphase müssen Sie strenge Regeln befolgen.

Nach Ablauf dieser Frist sind Sie wieder schuldenfrei und dürfen einen Neuanfang starten.

Der negative SCHUFA-Eintrag für die Insolvenz wird seit 2023 nur noch sechs Monate nach der Restschuldbefreiung gespeichert. Danach wird er automatisch gelöscht. Viele stellen sich daher die Frage, ob ein Kredit trotz Privatinsolvenz möglich ist.

Ja, grundsätzlich besteht die Möglichkeit, einen Kredit trotz Insolvenzverfahren aufzunehmen. Empfehlenswert ist das allerdings nicht, da zahlreiche Risiken und Hürden auf Sie warten.

In diesem Beitrag erfahren Sie nicht nur, wo Sie eine Finanzierung trotz Privatinsolvenz erhalten, sondern auch, worauf Sie bei einem solchen Darlehen achten müssen.

Warum haben Menschen im Insolvenzverfahren Schwierigkeiten, einen Kredit zu erhalten?

Wenn Sie insolvent sind und einen Kredit beantragen möchten, müssen Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Ablehnung rechnen.

Die Bank muss nämlich prüfen, ob Sie kreditfähig sind und einschätzen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalles ist.

Bei insolventen Personen wird das Risiko eines Zahlungsausfalles als hoch eingestuft. Das liegt zum einen an dem negativen SCHUFA-Eintrag durch die Insolvenz, der Ihre Kreditchancen deutlich mindert.

Außerdem bieten Sie höchstwahrscheinlich nicht ausreichende Sicherheiten für die Bank. Sämtliche Einnahmen oberhalb der Pfändungsfreigrenze (aktuell 1.555 EUR monatlich für Alleinstehende) müssen an die Gläubiger abgetreten werden.

Für die Bank sind all das Indikatoren dafür, dass Sie nicht in der Lage sind, sich den Kredit zu leisten. Wie es doch klappen könnte, zeigen wir Ihnen im folgenden Absatz.

Welche Möglichkeiten gibt es, einen Kredit trotz Privatinsolvenz zu erhalten?

Ein Kredit trotz Privatinsolvenz wird nicht von jeder Bank gewährt, da das Risiko eines Zahlungsausfalles durch die Insolvenz als zu hoch eingeschätzt wird.

Selbst wenn Sie eine positive Zusage erhalten, ist diese wahrscheinlich mit ungünstigen Konditionen verbunden.

Wo bekomme ich einen Kredit trotz Privatinsolvenz? Wir präsentieren Ihnen drei Möglichkeiten, wie Sie doch an ein Darlehen gelangen.

Kredit von Privat

Die erste Möglichkeit einer Finanzierung trotz Privatinsolvenz ist ein Kredit von Privat. In erster Linie können Sie Freunde oder Verwandte nach einer Finanzspritze fragen.

Der Vorteil hierbei ist, dass die Bonität keine Rolle spielt und die Zinsen meist gering sind. Dennoch sollten Sie alles in einem Kreditvertrag vermerken.

Alternativ gibt es seriöse Online-Plattformen, die Kredite von Privatpersonen an Kreditnehmer vermitteln.

Die Konditionen des Kredits können sich hinsichtlich der Laufzeit und Zinsen unterscheiden. Die Chancen, ein Darlehen zu erhalten, sind hier höher als bei einer herkömmlichen Bank.

Schweizer Kredit

Der sogenannte Schweizer Kredit, der von ausländischen Kreditinstituten vergeben wird, ist eine weitere Möglichkeit, an einen Kredit trotz Insolvenz zu gelangen.

Dabei handelt es sich meistens um Banken aus der Schweiz, Liechtenstein oder Luxemburg.

Der Vorteil dieser Kreditart ist, dass bei ausländischen Kreditgebern SCHUFA-Einträge keine Rolle spielen. Somit sind SCHUFA-Daten weder für die Prüfung Ihrer Bonität relevant, noch wird die Kreditvergabe in der SCHUFA vermerkt.

Sie müssen jedoch beachten, dass Sie ein geregeltes Einkommen benötigen, ansonsten droht eine Ablehnung.

Außerdem sind die Zinsen für Schweizer Kredite aufgrund des höheren Ausfallrisikos überdurchschnittlich hoch. Die Kreditsummen sind meistens auf 7.500 EUR beschränkt.

Kredit mit Bürgen

Eine weitere Möglichkeit, trotz Insolvenz an einen Kredit zu gelangen, ist ein Kredit mit Bürgen. Der Bürge fungiert beim Kredit als Sicherheit und erklärt sich bereit, bei Zahlungsausfall für den Kreditnehmer einzuspringen.

Durch den Bürgen erhöhen Sie nicht nur die Chancen auf eine positive Kreditzusage, sondern verbessern auch die Konditionen Ihres Darlehens.

Wir raten Bürgen davon ab, das Risiko für eine insolvente Person zu übernehmen, da sie selbst in finanzielle Schwierigkeiten geraten könnten, wenn der Kreditnehmer das Darlehen nicht mehr tilgen kann.

Vorsicht vor unseriösen Anbietern

Gerade Menschen in der Privatinsolvenz werden häufig Ziel unseriöser Kreditvermittler. Achten Sie auf diese Warnsignale: Vorabgebühren vor der Auszahlung, ungewöhnlich niedrige Zinsen trotz schlechter Bonität, Sitz im Ausland ohne deutsche Zulassung und fehlende transparente Vertragsbedingungen. Seriöse Anbieter verlangen niemals Vorkosten.

Risiken beim Kredit trotz Insolvenzverfahren

Diese Risiken sollten Sie beim Kredit trotz Insolvenz beachten

Wir verstehen, dass Sie womöglich einen Kredit trotz Insolvenzverfahren benötigen. Während der Wohlverhaltensphase müssen Sie den pfändbaren Teil Ihres Einkommens abtreten. Dadurch bleibt nicht mehr viel Geld für unerwartete Ausgaben übrig.

Dennoch ist der Kredit bei Insolvenzverfahren eine äußerst heikle Angelegenheit, die Sie sich im Vorfeld gut überlegen sollten.

Bevor Sie sich für einen Kredit entscheiden, sollten Sie unbedingt ein Gespräch mit Ihrem Insolvenzverwalter führen, um sicherzustellen, dass Sie durch die Auszahlung des Darlehens nicht weiter in Schwierigkeiten geraten.

In gewissen Situationen kann es nämlich zu einem Versagen der Restschuldbefreiung kommen, dem schlimmsten Szenario während einer Insolvenz.

Restschuldbefreiung deckt Kredit nicht

Der erste wesentliche Punkt ist, dass Sie sich mit einem Kredit während der Insolvenz bereits neu verschulden. Die Schulden, die Sie während der Insolvenz machen, werden durch die Restschuldbefreiung nicht erfasst. Sie müssen also vollständig beglichen werden.

Wenn Sie sich erneut in einer Schuldenfalle befinden, können Sie nicht so schnell wieder eine Insolvenz beantragen. Die Sperrfrist liegt bei elf Jahren, wenn Ihnen bereits eine Restschuldbefreiung erteilt wurde. Bei der zweiten Privatinsolvenz beträgt die Verfahrensdauer zudem fünf statt drei Jahre.

Wenn Sie einen Kredit aufnehmen, obwohl Sie wissen, dass Sie nicht in der Lage sein werden, diesen zu tilgen, liegt Eingehungsbetrug vor. Dieser wird mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet.

Unangemessene Verbindlichkeiten beachten

Eine Privatperson darf während der Insolvenz keine unangemessenen Verbindlichkeiten eingehen. Bei unangemessenen Verbindlichkeiten handelt es sich um jegliche Verbindlichkeiten, die nicht nachvollziehbar oder wirtschaftlich unvernünftig sind.

Sämtliches Geld, das das Existenzminimum überschreitet, geht an die Gläubiger über.

Ein Kredit während der Privatinsolvenz kann als Gläubigerbenachteiligung gewertet werden, was Sie vor Gericht führen könnte.

Kredit nach der Privatinsolvenz: Wann sind Sie wieder kreditwürdig?

Viele Verbraucher stellen sich nach der Restschuldbefreiung die Frage, ob sie wieder kreditwürdig sind.

Solange die Insolvenz noch in den Auskunfteien vermerkt ist, wird es mit einem Kredit schwierig, da die Bank befürchtet, dass Ihre finanzielle Lage erneut außer Kontrolle geraten könnte.

Deshalb sollten Sie abwarten, bis die Daten zur Privatinsolvenz aus Ihrer Akte gelöscht sind. Seit März 2023 wird die Restschuldbefreiung nur noch sechs Monate in der SCHUFA gespeichert (zuvor waren es drei Jahre). Die Löschung erfolgt automatisch.

Das sind gute Nachrichten für Personen, die einen Kredit nach der Restschuldbefreiung aufnehmen möchten. Durch die Restschuldbefreiung allein sind Sie aber nicht automatisch kreditwürdig.

Um Ihre Chancen auf einen Kredit nach der Privatinsolvenz zu verbessern, sollten Sie folgende Schritte beachten:

  • Warten Sie die sechsmonatige SCHUFA-Löschfrist ab
  • Fordern Sie eine kostenlose SCHUFA-Datenkopie an und prüfen Sie, ob alle Einträge gelöscht wurden
  • Bauen Sie Ihre Bonität schrittweise wieder auf, etwa durch pünktliche Zahlungen und ein geregeltes Einkommen
  • Stellen Sie bei der Kreditanfrage immer eine Konditionsanfrage statt einer Kreditanfrage, um Ihren SCHUFA-Score nicht zu belasten
  • Beginnen Sie mit kleinen Kreditbeträgen, um Vertrauen bei den Banken aufzubauen

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Kredit trotz Privatinsolvenz: möglich, aber Vorsicht ist geboten

Grundsätzlich ist es nicht verboten, einen Kredit trotz Privatinsolvenz aufzunehmen, und es gibt einige Möglichkeiten, an ein Darlehen zu gelangen.

Das funktioniert entweder mit einem Kredit von Privat, einem Schweizer Kredit von ausländischen Geldgebern oder einem Kredit mit Bürgen.

Sie sollten jedoch beachten, dass Sie mit einem Kredit während der Insolvenz noch vor der Restschuldbefreiung neue Schulden machen. Die Konditionen für den Kredit sind mit großer Wahrscheinlichkeit ungünstig.

Womöglich besteht das Risiko, dass das Geld vom Insolvenzverwalter eingezogen wird und an die Gläubiger geht.

Wenn an einem Kredit während der Insolvenz kein Weg vorbeiführt, achten Sie darauf, dass Sie in der Lage sind, das Darlehen zu tilgen. Besser ist es jedoch, die Restschuldbefreiung und die sechsmonatige SCHUFA-Löschfrist abzuwarten und dann mit einer sauberen Akte einen Neuanfang zu starten.

Häufige Fragen zum Kredit trotz Privatinsolvenz

Kann man trotz Privatinsolvenz einen Kredit aufnehmen?

Ja, es ist grundsätzlich möglich, einen Kredit trotz Privatinsolvenz aufzunehmen. Die meisten Banken lehnen allerdings ab, da der negative SCHUFA-Eintrag und die fehlenden Sicherheiten das Ausfallrisiko erhöhen. Mögliche Alternativen sind ein Kredit von Privat, ein Schweizer Kredit oder ein Kredit mit Bürgen.

Wie lange kein Kredit nach Privatinsolvenz?

Nach der Restschuldbefreiung wird der SCHUFA-Eintrag seit 2023 bereits nach sechs Monaten automatisch gelöscht. Danach stehen Ihre Chancen auf einen Kredit deutlich besser. Während der dreijährigen Wohlverhaltensphase sollten Sie grundsätzlich keinen Kredit aufnehmen, da dies Ihre Restschuldbefreiung gefährden kann.

Welche Bank gibt Kredit trotz Privatinsolvenz?

Klassische Banken vergeben in der Regel keinen Kredit an Personen im laufenden Insolvenzverfahren. Ausländische Banken (Schweizer Kredit), P2P-Plattformen und private Kreditgeber prüfen die SCHUFA nicht oder gewichten sie weniger stark. Achten Sie dabei unbedingt auf seriöse Anbieter und vermeiden Sie Angebote mit Vorabgebühren.

Was passiert, wenn ich während der Privatinsolvenz einen Kredit aufnehme?

Neue Schulden, die während der Insolvenz entstehen, werden nicht durch die Restschuldbefreiung erfasst. Sie müssen diese vollständig zurückzahlen. Im schlimmsten Fall kann der Kredit als unangemessene Verbindlichkeit gewertet werden, was zur Versagung der Restschuldbefreiung führen kann. Zudem droht bei Eingehungsbetrug (§ 263 StGB) eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Ist eine Ratenzahlung trotz Privatinsolvenz erlaubt?

Ratenzahlungen für notwendige Anschaffungen des täglichen Bedarfs sind grundsätzlich erlaubt, sofern sie wirtschaftlich vernünftig und angemessen sind. Luxuskäufe auf Raten oder hohe Verbindlichkeiten können jedoch als unangemessen gewertet werden. Sprechen Sie im Zweifelsfall mit Ihrem Insolvenzverwalter.

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