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Zahlungsverzug: Was es bedeutet und welche Folgen drohen
- Zahlungsverzug tritt bei Krediten meist automatisch am Tag nach dem vereinbarten Ratentermin ein, eine Mahnung ist bei festen Terminen nicht erforderlich.
- Die Verzugszinsen betragen aktuell 6,27% pro Jahr für Verbraucher (Basiszinssatz 1,27% + 5 Prozentpunkte), zuzüglich Mahngebühren und Inkassokosten.
- Im schlimmsten Fall kann die Bank den gesamten Kreditvertrag kündigen, was die sofortige Rückzahlung der Restschuld und einen negativen SCHUFA-Eintrag zur Folge hat.
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Geprüft von Sven Wilke6 Min. Lesezeit | Kredite
Selbst die beste Finanzplanung kann durch unerwartete Ereignisse ins Wanken geraten und die Einhaltung Ihrer Kreditverpflichtungen plötzlich gefährden. Die entscheidende Frage ist: Ab welchem Moment kippt die Zahlungsversäumnis von einem einfachen Fehler zu einer ernsten rechtlichen Bedrohung für Ihre gesamte finanzielle Zukunft?
Definition: Was ist Zahlungsverzug bei Krediten?
Der Zahlungsverzug bei Krediten wird gesetzlich im BGB §280 und §286 geregelt und beschreibt eine "schuldhafte Nichtleistung trotz Möglichkeit, Fälligkeit und Mahnung".
Einfach ausgedrückt: Sie geraten in Zahlungsverzug, wenn Sie Ihre Kreditrate nicht rechtzeitig bezahlen, obwohl Sie dazu in der Lage wären. Die rechtlichen Folgen können bei Krediten besonders schwerwiegend sein, da die Bank den gesamten Kredit kündigen kann.
Voraussetzungen für Zahlungsverzug bei Krediten:
Ein gültiger Kreditvertrag mit festgelegten Ratenzahlungen muss bestehen.
Die Ratenzahlung ist möglich, aber der Kreditnehmer hat dennoch nicht bezahlt.
Es liegt eine fällige Kreditrate vor.
Eine Mahnung wurde ausgesprochen (außer bei kalendermäßig bestimmten Raten).
Wann tritt der Zahlungsverzug bei Krediten ein?
Bei Krediten ist der Verzugseintritt meist klar geregelt, da die Ratentermine im Kreditvertrag festgelegt sind. Der Zeitpunkt hängt somit in erster Linie von der Art der Vereinbarung ab.
Typische Szenarien bei Kreditverträgen:
Feste Ratentermine: Wenn im Kreditvertrag ein bestimmter Tag für die Ratenzahlung vereinbart ist (z.B. "jeden 15. des Monats"), tritt der Verzug automatisch am Folgetag ein - ohne Mahnung.
Lastschriftverfahren: Bei gescheiterten Lastschriften beginnt der Verzug meist am Tag nach dem vereinbarten Abbuchungstermin, sofern der Kreditnehmer ausreichend Deckung hatte.
Unbestimmte Zahlungstermine: Nur bei unklaren Vereinbarungen ist eine Mahnung erforderlich, um den Verzug auszulösen.
Wichtig bei Krediten:
Anders als bei normalen Rechnungen tritt bei Krediten der Verzug meist automatisch ein, da die Ratentermine vertraglich festgelegt sind. Eine Mahnung ist in den meisten Fällen nicht erforderlich.
Wann beginnt der Zahlungsverzug ohne feste Termine?
Haben beide Vertragsparteien den Tag der Zahlung nicht ausdrücklich vereinbart, gelten andere Regelungen. In solchen Fällen muss der Gläubiger den säumigen Zahler mit einer Mahnung in Verzug setzen, wenn dieser das Zahlungsziel nicht eingehalten hat.
Ohne die Zusendung einer Mahnung gilt wiederrum die 30-Tage-Regel: Sobald der Rechnungsempfänger das Zahlungsziel um mehr als 30 Tage überschreitet, befindet er sich automatisch im Verzug. Handelt es sich beim Schuldner um einen privaten Verbraucher, muss der Gläubiger ihn mit einem Hinweis auf der Rechnung ausdrücklich darauf hinweisen, dass der Zahlungsverzug automatisch bei einer mehr als 30-tägigen Überschreitung des Zahlungsziels beginnt.
Bei Krediten ist jedoch in den meisten Fällen das genaue Datum bereits angegeben, womit grundsätzlich bereits der Tag nach dem vereinbarten Datum der Zahlungsverzug eintritt.
Verzugszinsen beim Kreditverzug für 2026
Die Kosten bei Zahlungsverzügen von Krediten können schnell außer Kontrolle geraten und die finanzielle Belastung spürbar erhöhen.
Die gesetzlichen Verzugszinsen für Verbraucher richten sich nach dem Basiszinssatz gemäß § 247 BGB, der halbjährlich (jeweils zum 1. Januar und 1. Juli) neu festgelegt wird. Seit dem 1. Januar 2026 beträgt dieser Referenzzinssatz 1,27%.
Damit liegt der effektive jährliche Verzugszinssatz für Verbraucher bei 6,27% (Basiszinssatz plus fünf Prozentpunkte). Bei Geschäften zwischen Unternehmen (B2B) sind es sogar 10,27% (Basiszinssatz plus neun Prozentpunkte). Diese Sätze fallen zusätzlich zu Ihren regulären Kreditzinsen an und werden auf die überfällige Rate berechnet.
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Weitere Kosten beim Kreditverzug im Überblick
Allerdings sind die Verzugszinsen selten die einzigen Zusatzkosten, mit denen Kreditnehmer in Zahlungsverzug konfrontiert werden.
Vielmehr entstehen neben den Zinsen oft weitere Gebühren, die die finanzielle Belastung noch zusätzlich steigern können:
Mahngebühren: 5–15 € pro Mahnung (meist ab der zweiten Mahnung)
Rücklastschriftgebühren: 5–10 € bei gescheiterten Abbuchungen
Inkassokosten: Variable Gebühren je nach Forderungshöhe und Aufwand
Rechtsanwaltskosten: Nach RVG-Gebührenordnung bei gerichtlichen Schritten
Gerichtskosten: Mindestens 38 € für das gerichtliche Mahnverfahren
Pauschale bei B2B-Geschäften: 40 € Schadenspauschale unabhängig vom Nachweis
Beispiel: Berechnung der Gesamtkosten bei Zahlungsverzug
Angenommen, Sie haben eine Kreditrate von 500 €, die seit 30 Tagen überfällig ist. Die reinen Verzugszinsen betragen in diesem Fall: 500 × 6,27% × 30/365 ≈ 2,58 €.
Die Zinsen sind allerdings nur ein Teil der Gesamtrechnung: Erstens laufen die normalen Kreditzinsen auf den ausstehenden Betrag weiter. Zweitens können Mahngebühren hinzukommen, die oft zwischen 5–15 € liegen. Sollte die Säumnis länger andauern, drohen schließlich noch Inkassokosten, welche die ursprüngliche finanzielle Belastung weit übersteigen können.
Wann wird der Zahlungsverzug zur Kreditkündigung?
Die schwerwiegendste Folge von Zahlungsverzug ist das drohende Ende der Geschäftsbeziehung: Die mögliche Kündigung des gesamten Kreditvertrags durch die Bank. Dieser extreme Schritt verwandelt die überfällige Rate in eine sofort fällige Gesamtforderung und stellt damit die ultimative Eskalationsstufe dar.
Wann kann die Bank kündigen?
Zwei aufeinanderfolgende Raten sind ganz oder teilweise unbezahlt
Rückstand entspricht mindestens 10% der Kreditsumme bei Laufzeiten über 3 Jahren
Rückstand entspricht mindestens 5% der Kreditsumme bei kürzeren Laufzeiten
Erfolglose Mahnung mit mindestens zweiwöchiger Nachfrist
Androhung der Kündigung in der Mahnung
Wichtig zu beachten:
Nach einer Kreditkündigung wird die gesamte Restschuld sofort fällig. Dies kann zu einer existenzbedrohenden Situation führen, da oft Zehntausende Euro auf einmal zu zahlen sind.
SCHUFA-Eintrag bei Kreditverzug: Neue Regelungen im Überblick
Weit über die direkten Mehrkosten hinaus hat der Zahlungsverzug eine ernste, langfristige Konsequenz: den negativen SCHUFA-Eintrag, der Ihre gesamte finanzielle Zukunft massiv beeinträchtigen kann.
Erfreulicherweise gelten seit 2025 verbesserte Regelungen, die in bestimmten Fällen für eine schnellere Löschung sorgen.
Verkürzte Speicherfrist: 18 Monate statt bisher 36 Monate
Bedingung: Bezahlung innerhalb von 100 Tagen nach der Meldung an die SCHUFA
Automatische Löschung: Erfolgt automatisch, sofern keine weiteren Negativeinträge hinzukommen
Keine weiteren Negativdaten: Bis zum Ablauf der 18-Monats-Frist dürfen keine neuen Negativeinträge gemeldet werden
Die Neuregelung der Speicherfristen bietet Verbraucherinnen und Verbrauchern, die rasch ihre versäumte Zahlung nachholen, die Chance, schneller ihre Bonität zu verbessern.
Tanja Birkholz Vorstandsvorsitzende Schufa Holding AG
Was kann man bei Zahlungsschwierigkeiten tun?
Wenn sich abzeichnet, dass Sie Ihre Kreditraten nicht fristgerecht zahlen können, ist sofortiges Handeln entscheidend.
Zögern Sie nicht, Kontakt zu Ihrer Bank aufzunehmen – denn frühe und offene Kommunikation kann in vielen Fällen die schlimmsten Konsequenzen wie Mahnverfahren oder die Kreditkündigung erfolgreich abwenden.
Sofortmaßnahmen bei Zahlungsproblemen:
Sofort die Bank kontaktieren
Informieren Sie Ihre Bank bereits vor dem Zahlungstermin über Ihre Schwierigkeiten. Viele Banken zeigen sich kulant, wenn Sie proaktiv kommunizieren.
Stundung oder Ratenpause beantragen
Fragen Sie nach einer vorübergehenden Aussetzung der Raten oder einer Stundung. Viele Banken bieten solche Lösungen an.
Umschuldung prüfen
Bei dauerhaften Problemen kann eine Umschuldung zu günstigeren Konditionen oder längeren Laufzeiten helfen.
Schuldnerberatung aufsuchen
Kostenlose Schuldnerberatungsstellen helfen bei der Verhandlung mit Banken und der Entwicklung von Lösungsstrategien.
Rechtliche Besonderheiten und Verbraucherschutz bei Krediten
Gerade bei Verbraucherkrediten greifen besondere Schutzvorschriften, die nicht nur die Transparenz erhöhen, sondern auch Ihre Rechte als Kreditnehmer im Falle von Zahlungsschwierigkeiten und -verzügen signifikant stärken.
Wichtige Verbraucherschutzregeln:
Widerrufsrecht: Das Widerrufsrecht ermöglicht es Ihnen, den Kreditvertrag – ohne Angabe von Gründen – innerhalb einer Frist von 14 Tagen nach dem wirksamen Vertragsschluss und vollständigem Erhalt aller Pflichtinformationen formell zu widerrufen.
Vorzeitige Rückzahlung: Grundsätzlich ist die vorzeitige Ablösung des Kredits jederzeit möglich, wobei lediglich eine Vorfälligkeitsentschädigung bis zu 1% anfallen darf. Immer mehr Anbieter gehen jedoch darüber hinaus und ermöglichen ihren Kunden kostenlose Sondertilgungen oder sogar die vollständige kostenfreie Ablösung der Restschuld.
Kündigungsschutz: Der Gesetzgeber hat sehr strenge Voraussetzungen für die Kreditkündigung durch die Bank festgelegt. Diese dienen dem Schutz des Verbrauchers und stellen sicher, dass eine Kündigung nur das allerletzte Mittel bei gravierenden und wiederholten Pflichtverletzungen darstellt.
Transparenzpflicht: Die Bank ist gesetzlich dazu verpflichtet, dem Kreditnehmer alle anfallenden Kosten (einschließlich des effektiven Jahreszinses) sowie die möglichen Folgen eines Zahlungsverzugs von Anfang an klar, verständlich und vollständig aufzuzeigen.
Beratungspflicht: Die Bank ist verpflichtet, eine angemessene Kreditberatung durchzuführen. Dies bedeutet, dass sie die finanzielle Situation des Kunden berücksichtigen und ihn aktiv über die Risiken sowie geeignete Kreditprodukte aufklären muss.
Wie kann man Kreditverzug vermeiden?
Die Vermeidung von Kreditverzug beginnt mit sorgfältiger finanzieller Planung. Der Schlüssel liegt darin, von Anfang an finanzielle Rücklagen zu bilden und zu pflegen, die als Puffer für unerwartete Engpässe dienen.
Strategien zur Bildung eines soliden Notgroschens und zur effektiven Budgetierung erfahren Sie in unserem Beitrag "Wie bildet man finanzielle Rücklagen".
Häufig gestellte Fragen zum Zahlungsverzug bei Krediten
Wann tritt bei Krediten der Zahlungsverzug ein?
Bei Krediten tritt der Zahlungsverzug meist automatisch am Tag nach dem vereinbarten Ratentermin ein, da die Zahlungstermine vertraglich festgelegt sind. Eine Mahnung ist in den meisten Fällen nicht erforderlich.
Wie hoch sind die Verzugszinsen bei Krediten 2026?
Die Verzugszinsen betragen aktuell 6,27% pro Jahr für Verbraucher (Basiszinssatz + 5 Prozentpunkte). Diese kommen zusätzlich zu den normalen Kreditzinsen hinzu und werden auf die überfällige Rate berechnet.
Kann die Bank meinen Kredit wegen einer verspäteten Rate kündigen?
Nein, nicht sofort. Die Bank kann erst kündigen, wenn zwei aufeinanderfolgende Raten unbezahlt sind und der Rückstand mindestens 10% der Kreditsumme (bei Laufzeiten über 3 Jahren) beträgt. Zudem muss eine erfolglose Mahnung mit Kündigungsandrohung erfolgen.
Was passiert nach einer Kreditkündigung?
Nach einer Kreditkündigung wird die gesamte Restschuld sofort fällig. Die Bank kann dann die komplette Summe auf einmal fordern und bei Nichtzahlung Vollstreckungsmaßnahmen einleiten.
Wie lange bleibt ein Kreditverzug in der SCHUFA gespeichert?
Seit 2025 werden Zahlungsverzüge nur noch 18 Monate gespeichert, wenn Sie innerhalb von 100 Tagen nach der Meldung an die SCHUFA zahlen. Vorher lag die Speicherfrist bei 36 Monaten. Die Löschung erfolgt automatisch, sofern keine weiteren Negativeinträge hinzukommen.
Was soll ich tun, wenn ich meine Kreditrate nicht zahlen kann?
Kontaktieren Sie sofort Ihre Bank, noch bevor die Rate fällig wird. Viele Banken bieten Lösungen wie Ratenpausen, Stundungen oder Umschuldungen an. Frühe Kommunikation ist der Schlüssel.
Können Kreditforderungen verjähren?
Ja, Kreditforderungen verjähren nach 3 Jahren. Jede einzelne Rate verjährt separat zum 31. Dezember des Jahres, in dem sie fällig wurde. Titulierte Forderungen verjähren erst nach 30 Jahren.
Was ist die 30-Tage-Regel bei Zahlungsverzug?
Die 30-Tage-Regel besagt, dass ein Schuldner automatisch in Verzug gerät, wenn er eine Rechnung mehr als 30 Tage nach Fälligkeit und Zugang nicht bezahlt. Bei Verbrauchern gilt dies allerdings nur, wenn auf der Rechnung ausdrücklich auf diese Folge hingewiesen wurde. Bei Krediten mit festen Ratenterminen greift diese Regel in der Regel nicht, da der Verzug bereits am Tag nach dem vertraglich vereinbarten Termin eintritt.
Wie viel Zeit liegt zwischen der 1. und 2. Mahnung?
Gesetzlich gibt es keine vorgeschriebene Frist zwischen zwei Mahnungen. In der Praxis setzen die meisten Gläubiger eine Zahlungsfrist von 7 bis 14 Tagen pro Mahnung. Bei Krediten mit festen Ratenterminen ist eine Mahnung ohnehin meist nicht erforderlich, da der Verzug automatisch eintritt.
Was passiert, wenn man eine Rechnung nach 14 Tagen nicht bezahlt?
Nach 14 Tagen sind Sie noch nicht automatisch im Zahlungsverzug, sofern kein fester Zahlungstermin vereinbart wurde. Der Gläubiger kann Ihnen dann eine Mahnung schicken, die den Verzug auslöst. Erst danach fallen Verzugszinsen an. Bei Kreditraten mit festem Termin hingegen beginnt der Verzug bereits am Tag nach dem vereinbarten Datum.
Fazit: Kommunikation als Schlüssel gegen Zahlungsverzug
Der Zahlungsverzug ist eine ernstzunehmende Situation, die jedoch durch proaktives Handeln oft entschärft werden kann. Die Einhaltung der Transparenzpflichten und der gesetzliche Kündigungsschutz stärken Ihre Position als Verbraucher.
Dennoch ist die Offene Kommunikation mit Ihrer Bank der Schlüssel: Banken sind oft bereit, bei vorübergehenden Schwierigkeiten Lösungen wie Stundungen oder Umschuldungen zu finden – aber nur, wenn Sie rechtzeitig das Gespräch suchen, bevor der Verzug eintritt sowie rechtliche Schritte unumgänglich werden.
Quellenverzeichnis:
Bundesministerium der Justiz: Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) § 286 Verzug des Schuldners
Deutsche Bundesbank: Basiszinssatz nach § 247 BGB
Creditreform: Praxisratgeber Zahlungsverzug

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