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Geldanlage für Jugendliche: So legen Sie unter 18 Geld an
Junior-Depot, ETF-Sparplan oder Sparkonto: Welche Geldanlage eignet sich für Jugendliche unter 18? Alle Optionen, Steuervorteile und Anbieter im Überblick.
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Geprüft von Sven Wilke4 Min. Lesezeit | Geldanlage
Wer als Jugendlicher mit dem Investieren beginnt, hat einen Vorteil, den kein Erwachsener nachholen kann: Zeit.
Schon kleine Beträge von 25 oder 50 Euro im Monat können sich über 10, 20 oder 30 Jahre zu beachtlichen Summen entwickeln. Der Grund dafür ist der Zinseszinseffekt: Gewinne erzeugen weitere Gewinne, und je länger das Geld arbeitet, desto stärker wirkt dieser Effekt.
Ein Beispiel: Wer ab 15 Jahren monatlich 50 Euro in einen ETF-Sparplan investiert (bei angenommenen 7 % Rendite pro Jahr), hat mit 25 Jahren rund 8.600 Euro. Wer erst mit 25 startet und bis 35 die gleichen 50 Euro spart, kommt auf den gleichen Betrag, hat aber 10 Jahre verloren.
Dieser Beitrag zeigt Ihnen, welche Anlageformen für Jugendliche unter 18 in Frage kommen, welche Junior-Depots es gibt und wie Sie die steuerlichen Freibeträge Ihres Kindes optimal nutzen.
Was dürfen Minderjährige? Rechtlicher Rahmen
Jugendliche unter 18 Jahren sind in Deutschland nur beschränkt geschäftsfähig. Das bedeutet: Sie können nicht eigenständig ein Depot eröffnen oder Wertpapiere kaufen.
Dennoch gibt es Wege, frühzeitig mit der Geldanlage zu beginnen:
- Mit elterlicher Zustimmung können Minderjährige Sparkonten, Tagesgeldkonten und sogenannte Junior-Depots eröffnen. Beide Elternteile müssen der Eröffnung zustimmen.
- Ab 18 Jahren dürfen junge Erwachsene eigenständig Depots führen, Aktien kaufen und alle Finanzprodukte nutzen.
- Taschengeld und Minijob-Einkünfte können bereits als Teenager in einen Sparplan fließen.
Der entscheidende Punkt: Eltern handeln treuhänderisch. Das Geld im Junior-Depot gehört rechtlich dem Kind. Mit Erreichen der Volljährigkeit geht die volle Verfügungsgewalt auf den Jugendlichen über.
Die besten Anlageformen für Jugendliche
Der Kapitalmarkt bietet auch für Jugendliche verschiedene Möglichkeiten, Geld gewinnbringend anzulegen. Welche Option passt, hängt vom Anlagehorizont, der Risikobereitschaft und dem verfügbaren Betrag ab.
ETF-Sparplan: Die Empfehlung für langfristigen Vermögensaufbau
Ein ETF-Sparplan ist die mit Abstand populärste Geldanlage für Jugendliche. ETFs (Exchange Traded Funds) bilden einen ganzen Index ab und streuen das Risiko automatisch über hunderte oder tausende Unternehmen.
Warum ETFs für Jugendliche besonders geeignet sind:
- Sparpläne starten bereits ab 1 Euro monatlich bei vielen Brokern
- Ein breit gestreuter Welt-ETF wie der MSCI World erzielte historisch rund 7 % Rendite pro Jahr
- Kein aktives Management nötig: einrichten und laufen lassen
- Niedrige Kosten (TER oft unter 0,3 % pro Jahr)
Rechenbeispiel: Sie investieren monatlich 25 Euro (das Kindergeld) in einen MSCI World ETF mit 7 % durchschnittlicher Rendite. Nach 18 Jahren werden aus 5.400 Euro Einzahlungen rund 10.500 Euro. Das Geld hat sich fast verdoppelt, ohne dass Sie einen Finger rühren mussten.
Tagesgeld und Sparkonto: Sicherheit für kurzfristige Ziele
Wer als Jugendlicher sparen möchte, ohne Risiko einzugehen, ist mit einem Tagesgeldkonto gut beraten. Für Geld, das Jugendliche kurzfristig brauchen (z. B. für ein neues Fahrrad oder den Führerschein), ist ein Tagesgeldkonto die bessere Wahl als ein Sparbuch.
- Das Geld ist jederzeit verfügbar
- Tagesgeldkonten bieten in der Regel höhere Zinsen als ein Sparbuch
- Die gesetzliche Einlagensicherung schützt Beträge bis 100.000 Euro
Für mittelfristige Sparziele (2 bis 5 Jahre) kann Festgeld eine Alternative sein, da dort oft höhere Zinssätze angeboten werden. Allerdings ist das Geld dann für die vereinbarte Laufzeit gebunden. Sparen für Jugendliche muss nicht kompliziert sein: ein Tagesgeldkonto lässt sich in wenigen Minuten mit elterlicher Zustimmung eröffnen.
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Aktien: Für fortgeschrittene junge Anleger
Aktien ermöglichen direkte Beteiligung an Unternehmen. Für Jugendliche, die sich intensiver mit der Börse beschäftigen wollen, können Einzelaktien eine spannende Ergänzung zum ETF-Sparplan sein.
Wichtig zu wissen:
- Einzelaktien sind riskanter als ETFs, weil keine Streuung stattfindet
- Ein guter Einstieg: erst mit ETFs eine Basis aufbauen, dann schrittweise Einzelaktien beimischen
- Über ein Junior-Depot können Eltern gemeinsam mit ihren Kindern erste Aktien kaufen und so Finanzwissen praktisch vermitteln
Kryptowährungen: Nur mit Vorsicht
Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum sind hochvolatil. Kursschwankungen von 20 % oder mehr innerhalb weniger Tage sind keine Seltenheit.
Für Jugendliche gilt: Krypto kann als kleine Beimischung interessant sein, sollte aber nie den Kern der Geldanlage bilden. Ein Anteil von maximal 5 bis 10 % des Gesamtportfolios ist ein häufig genannter Richtwert.
Hinweis: Die meisten Krypto-Börsen erlauben die Registrierung erst ab 18 Jahren. Eltern können jedoch über ihr eigenes Konto kleine Beträge für ihre Kinder investieren.
Financer.de Tipp
Für die meisten Jugendlichen ist ein breit gestreuter ETF-Sparplan auf den MSCI World oder FTSE All-World der beste Einstieg. Erst wenn eine solide Basis aufgebaut ist, lohnt es sich, über Einzelaktien oder Krypto nachzudenken.
Junior-Depot: Wo Sie ein Kinderdepot eröffnen können
Ein Junior-Depot (auch Kinderdepot genannt) wird auf den Namen des Kindes eröffnet und von den Eltern treuhänderisch verwaltet. Seit 2026 bieten auch Neo-Broker wie Scalable Capital und Trade Republic Junior-Depots an.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten:
- Keine Depotführungsgebühren
- Große Auswahl an kostenlosen ETF-Sparplänen
- Niedrige oder keine Ordergebühren
- Einfache digitale Kontoeröffnung
Anbieter wie ING, Consorsbank, Scalable Capital und Trade Republic bieten kostenlose Junior-Depots mit umfangreicher ETF-Auswahl an. Bei Scalable Capital können Sie bereits ab 1 Euro monatlich einen Sparplan einrichten, und es gibt Zinsen auf das Verrechnungskonto.
Vergleichen Sie die Angebote mit unserem ETF-Sparplan-Vergleich, um den passenden Anbieter für Ihr Kind zu finden.
Steuervorteile bei der Geldanlage für Kinder
Viele Eltern wissen nicht, dass Kinder eigene steuerliche Freibeträge haben. Diese clever zu nutzen, kann sich lohnen.
Sparerpauschbetrag: Jedes Kind hat einen eigenen Sparerfreibetrag von 1.000 Euro pro Jahr. Kapitalerträge (Zinsen, Dividenden, Kursgewinne) bis zu diesem Betrag sind steuerfrei. Voraussetzung: Sie stellen bei der Bank einen Freistellungsauftrag für das Konto Ihres Kindes.
Grundfreibetrag: Zusätzlich steht jedem Kind der allgemeine Grundfreibetrag von 12.348 Euro (Stand 2026) zu. Hat das Kind keine weiteren Einkünfte, können Kapitalerträge bis zu insgesamt 13.348 Euro jährlich komplett steuerfrei vereinnahmt werden.
Abgeltungssteuer: Alles, was über die Freibeträge hinausgeht, wird mit 25 % Abgeltungssteuer besteuert (plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer).
Um diese Vorteile zu nutzen, empfiehlt es sich, eine sogenannte Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) beim Finanzamt zu beantragen. Damit werden Kapitalerträge bis zur Höhe des Grundfreibetrags automatisch steuerfrei gestellt.
Humankapital: Die unterschätzte Investition
Neben Aktien und ETFs gibt es eine Anlageform, die oft übersehen wird: das eigene Humankapital.
Wissen, Fähigkeiten und Erfahrung sind langfristig die wertvollste Investition. Ein Jugendlicher, der sich in Programmierung, Sprachen oder einem Handwerk weiterbildet, investiert in ein höheres zukünftiges Einkommen.
Eltern können diese Entwicklung fördern, indem sie:
- Finanzwissen aktiv vermitteln (gemeinsam Börsen-Apps ausprobieren, über Haushaltsgeld sprechen)
- Weiterbildungen und Kurse ermöglichen
- Das Kind in finanzielle Entscheidungen einbeziehen
Finanzportale wie Financer.de, Bücher und Podcasts zum Thema Finanzen helfen Jugendlichen, ihre Finanzkompetenz eigenständig aufzubauen.
Die 50-30-20-Regel für Teenager
Eine einfache Methode, um als Jugendlicher den Umgang mit Geld zu lernen, ist die 50-30-20-Regel:
- 50 % für Notwendiges: Schulmaterial, Transport, Mittagessen
- 30 % für Wünsche: Freizeit, Kleidung, Streaming-Abos
- 20 % zum Sparen und Investieren: ETF-Sparplan, Tagesgeld, Rücklage
Wer monatlich 100 Euro aus Taschengeld und Nebenjob zur Verfügung hat, investiert nach dieser Regel 20 Euro. Klingt wenig? Bei 7 % Rendite pro Jahr werden daraus in 10 Jahren rund 3.500 Euro.
Sparen durch weniger Ausgaben
Jugendliche geben oft mehr Geld für Abos, Essen unterwegs und Elektronik aus, als ihnen bewusst ist. Ein kurzer Check kann Einsparpotenzial aufdecken:
- Wie viele Streaming-Dienste nutzen Sie wirklich regelmäßig?
- Könnten Sie Ihr Mittagessen öfter selbst mitnehmen?
- Gibt es gebrauchte Alternativen für das nächste Smartphone?
Jeder Euro, der nicht für Überflüssiges ausgegeben wird, kann in die eigene Zukunft fließen. Dabei geht es nicht um Verzicht, sondern um bewusste Entscheidungen.
Fazit: Früh anfangen lohnt sich
Geldanlage für Jugendliche ist einfacher als viele denken. Mit einem Junior-Depot und einem monatlichen ETF-Sparplan ab 1 Euro können Eltern und Kinder gemeinsam den Grundstein für langfristigen Vermögensaufbau legen.
Die Kombination aus niedrigen Einstiegshürden, attraktiven Steuervorteilen (bis zu 13.348 Euro steuerfrei pro Jahr) und dem langen Anlagehorizont macht die Geldanlage für Minderjährige besonders lohnend.
Der beste Zeitpunkt zum Starten? Jetzt. Je früher, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt, und desto mehr Zeit bleibt, aus kleinen Beträgen ein solides Vermögen aufzubauen.
Häufig gestellte Fragen zur Geldanlage für Jugendliche
Welche Geldanlage eignet sich für Jugendliche unter 18?
Für Jugendliche unter 18 eignen sich vor allem ETF-Sparpläne über ein Junior-Depot, Tagesgeldkonten und Sparkonten. ETF-Sparpläne bieten langfristig die beste Rendite, während Tagesgeld für kurzfristige Sparziele geeignet ist. Beide Optionen können mit elterlicher Zustimmung eröffnet werden.
Was besagt die 50-30-20-Regel für Teenager?
Die 50-30-20-Regel teilt das verfügbare Geld in drei Bereiche: 50 % für notwendige Ausgaben (Schule, Transport), 30 % für persönliche Wünsche (Freizeit, Kleidung) und 20 % zum Sparen und Investieren. Bei 100 Euro Taschengeld würden also 20 Euro monatlich in einen Sparplan fließen.
Können Jugendliche ein eigenes Depot eröffnen?
Nein, Minderjährige können kein eigenes Depot eröffnen. Eltern können jedoch ein Junior-Depot auf den Namen des Kindes einrichten und es treuhänderisch verwalten. Mit 18 Jahren geht die Verfügungsgewalt auf das Kind über. Anbieter wie ING, Scalable Capital und Trade Republic bieten kostenlose Junior-Depots an.
Wie hoch ist der Sparerfreibetrag für Kinder?
Kinder haben einen eigenen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr. Zusammen mit dem Grundfreibetrag von 12.348 Euro (Stand 2026) können Kapitalerträge bis zu 13.348 Euro jährlich steuerfrei vereinnahmt werden, sofern das Kind keine weiteren Einkünfte hat.
Wie viel Geld sollten Jugendliche monatlich investieren?
Es gibt keine feste Regel, aber selbst kleine Beträge ab 1 Euro pro Monat sind ein guter Start. Viele Experten empfehlen, etwa 20 % des verfügbaren Einkommens (Taschengeld, Nebenjob) zu investieren. Dank des Zinseszinseffekts können schon 25 Euro monatlich über 18 Jahre zu rund 10.500 Euro anwachsen.

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